Etablierte Franchise-Systeme sind hochindividuelle und lebende Systeme. Bevor das Wachstum beschleunigt werden kann, sollte der Franchise-Geber die folgenden vier Säulen, auf dem sein Franchise-System steht, untersuchen und ggf. renovieren oder sanieren:
- Das Franchise-Partner-Unternehmen: Ist der dem Franchise-Partner zur Vervielfältigung angebotene Betriebstyp auch als Filiale einzusetzen? Ist der Markteinstieg einfach und erfolgsversprechend und das resultierende Franchise-Partner-Unternehmen so profitabel, dass das Eröffnen von Filialen erfolgreich gelingen und wirtschaftlich sinnvoll sein kann?
- Die Franchise-Partnerschaft: Sind die Franchise-Partner als Unternehmer so aufgestellt, dass sie eigene Expansionsschritte unternehmen können und wollen? Insbesondere müssen sie über die persönliche Eignung und finanzielle Ausstattung verfügen, um ihr wachsendes Unternehmen auf Dauer erfolgreich und profitabel führen zu können.
- Die Franchise-Systematik: Verfügt der Franchise-Geber heute über einen präzisen Expansionsplan für das Franchise-System und welche Rolle spielt die Expansion des Franchise-Partners in seinem regionalen Markt? Der Franchise-Geber sollte insbesondere in der Lage sein, den Franchise-Partnern die Expansion so zu erleichtern, dass sie für diese persönlich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Zudem sollte der Franchise-Geber über einen funktionierenden Partneraustauschprozess verfügen, der es dem Franchise-System ermöglicht, schwache Franchise-Partner aus dem Franchise-System herauszulösen.
- Die Franchise-Zentrale: Auf welche Form eines Franchise-Systems ist der Franchise-Geber mit seinen Leistungsbausteinen heute ausgerichtet? Betreiberfranchise-Systeme (= die meisten Franchise-Partner betreiben einen Standort) benötigen für eine starke Expansion eine grundlegende Neuausrichtung ihrer Franchise-Zentrale, der Beschaffung und des Marketings. Inhaberfranchise-Systeme (= einige Franchise-Partner betreiben mehrere Standorte) werden von einem expansiv-orientierten Franchise-Geber geführt. Er kann von den expandierenden Franchise-Partnern lernen und deren Expansionspfad präzisieren sowie den dahinter stehenden Unternehmenstyp standardisieren. Im Zuge dessen sollte er die entsprechenden Leistungsbausteine in allen Bereichen auf- und/oder ausbauen. Franchise-Geber mit Unternehmerfranchise-Systemen (= die meisten Franchise-Partner führen regionale Unternehmen mit mehreren Standorten) sollten im Rahmen ihrer Expansionsziele das Partnermanagement stärken und die Franchise-Partner systematisch entlang der Marktpotenziale führen. Dabei sollten sie schwache Franchise-Partner dazu motivieren, ihre Partnerunternehmen an stärkere oder neue Franchise-Partner zu verkaufen.
Die Umstellung auf Expansion macht Markenfranchise auch Franchise-Gebern mit Betreiber- und Inhaber-Franchise-Systemen relativ leicht. Sie müssen nur die Logik, wonach der Franchise-Partner lediglich ein Vertriebspartner und/oder ein selbstständiger Betreiber eines Standorts ist, aufgeben. In Zukunft wird der Franchise-Geber seine Franchise-Partner als Franchise-Unternehmer sehen und so die regionale Expansion ermöglichen und einfordern. Die Expansion des Franchise-Systems nimmt Fahrt auf und die Zufriedenheit der erfolgreichen Franchise-Partner steigt.
Der Weg vom betreiber- zum unternehmerorientierten Franchise-System
Auf dem Weg vom betreiberorientierten zum unternehmerorientierten Franchise-System sollte der Franchise-Geber die folgenden Schritte durchlaufen:
- Feststellung des Systemstatus und präzisieren der Zielstellung für das Franchise-System im Allgemeinen und für die 4 Säulen, auf denen der Erfolg des Franchise-Systems aufgebaut ist, im Speziellen.
- Stärken der Säule 1 (Franchise-Partner-Unternehmen)
- Aufstellen eines Stärken-Schwächen-Profils mit dem Ziel, die Vervielfältigung des Unternehmenstyps und die Filialisierung für den Franchise-Partner so einfach wie möglich zu gestalten.
- Entwicklungsbausteine im Rahmen der Markt- und Systemmöglichkeiten festlegen und projektieren.
- Investitions- sowie Ressourcen- und Zeitplanung aufstellen.
- Stärken der Säule 2 (Franchise-Partnerschaft)
- Aufstellen eines Stärken-Schwächen-Profils mit dem Ziel, die starken Franchise-Partner zu fördern und die Schwachen zu identifizieren.
- Entwicklungsbausteine im Rahmen der Systemstärke und der Kodifizierung festlegen und projektieren.
- Investitions- sowie Ressourcen- und Zeitplanung aufstellen.
- Stärken der Säule 3 (Franchise-Systematik)
- Aufstellen eines Stärken-Schwächen-Profils mit dem Ziel, den starken Franchise-Partner die regionale Expansion zu ermöglichen und abzuverlangen sowie schwache Franchise-Partner aus dem System herauszuführen.
- Entwicklungsbausteine im Rahmen der ersten beiden Säulen festlegen und projektieren.
- Investitions- sowie Ressourcen- und Zeitplanung aufstellen.
- Stärken der Säule 4 (Franchise-Zentrale)
- Aufstellen eines Stärken-Schwächen-Profils mit dem Ziel, insbesondere die Franchise-Zentrale, die Beschaffung und das Marketing auf die Anforderungen von nachhaltig und schnell expandierenden Franchise-Partnern zu trimmen.
- Entwicklungsbausteine im Rahmen der gegebenen Ressourcen festlegen und projektieren.
- Investitions- sowie Ressourcen- und Zeitplanung aufstellen.
Der Prozess sollte Säule für Säule durchlaufen werden. Dabei können Franchise-Partner und Franchise-Geber unmittelbar von höheren Umsätzen und Gewinnen profitieren. Die verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bilden dann die Basis der künftigen Systemexpansion. Denn für expansiv aufgestellte Unternehmerfranchise-Systeme können Franchise-Partner einfacher gewonnen und etablierte Partner schneller zur Expansion geführt werden. Zugleich kann der Franchise-Geber sein Beschaffungsmanagement straffen und dessen mögliche Einnahmequellen besser ausschöpfen. Die hier zusätzlich erzielbaren Deckungsbeiträge können dann in die Verbesserung aller vier Säulen fließen oder insgesamt die Profitabilität für alle Parteien verbessern.
Während der Franchise-Geber mit einem Betreiber-Franchise-Systeme nach neun Jahren durchschnittlich über 45 Franchise-Partner mit 50 bis 60 Standorten verfügt, könnte er mit einem Unternehmer-Franchise-System 125 Standorte realisieren. Bei einem realistischen Nettowachstum von 10 Franchise-Partnern pro Jahr, bedeutet das, dass in expansiven Franchise-Systemen 90 regional verankerten Franchise-Partner Unternehmen mit insgesamt rund 250 Standorten betreiben.