Franchise in Deutschland
Kleine und mittelständische Unternehmen finden im Franchise eine Expansions- und Organisationsform, die sie am Markt wettbewerbsfähig macht und sie so für die Zukunft als selbstständige Wirtschaftseinheiten erhält. Professionell umgesetzt, entstehen durch Franchise immer mehr wirtschaftlich solide und stabile, lokale und regionale Unternehmen. Dem Franchise-Partner als Unternehmer vor Ort und dem Franchise-Geber als Konzept- und Servicelieferant beschert der Erfolg dann schlussendlich gute bis sehr gute Gewinne.
Christina Westerhorstmann
Unternehmenskommunikation und Pressearbeit
Die Soziologin (M.A.) ist seit 2005 bei der auf Franchise spezialisierten Peckert Gruppe tätig. Zu ihren Kernaufgaben gehört die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für nationale und internationale Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sowie die interne Kommunikation und Krisenkommunikation. Sie ist Gründungsmitglied des zur Peckert Gruppe gehörenden Instituts zur Markenfranchise und begleitet hier die jährlichen Studien zur Entwicklung von Franchise in Deutschland.Dabei befindet sich die Franchise-Wirtschaft in Deutschland seit Jahren auf Wachstumskurs. 2010 haben die rund 950 Franchise-Systeme insgesamt einen Systemumsatz von rund 75,5 Mrd. Euro erwirtschaftet (+ 11 Prozent zum Vorjahr). Für 2011 rechnen die Franchise-Geber mit einem Wachstum von rund 13 Prozent.
Partner setzen auf Betriebswachstum
Die Zahl der Franchise-Partner ist bis Ende 2010 um 4,1 Prozent auf über 105.000 Franchise-Partner angestiegen, die insgesamt über 135.000 Betriebe führen. Durchschnittlich ist jeder Franchise-Geber damit netto um 4,4 Partner und 8 Betriebe gewachsen. Der Zuwachs an Betrieben gilt somit auch als Hauptursache für das positive Umsatzwachstum – und macht sich auch bei der Beschäftigung bemerkbar: 2010 beschäftigten Franchise-Partner in Deutschland insgesamt über 680.000 Mitarbeiter (+ 12,8 Prozent zum Vorjahr), davon etwa 385.000 in Voll- und Teilzeit (+ 13,3 Prozent zum Vorjahr). Rein rechnerisch kommen auf einen Betrieb 2,8 Voll- und Teilzeitkräfte sowie 2,2 geringfügig Beschäftigte und freie Mitarbeiter. Franchise-Betriebe sind in den meisten Fällen also klassische Kleinbetriebe, die häufig auch Unterstützung aus dem familiären Umfeld erfahren.
Systemgrößen: Jedes fünfte System mit mehr als 100 Partnerbetrieben
Während die Franchise-Wirtschaft sich insgesamt positiv entwickelt und in der Regel auch in Krisenjahren eine bessere Performance zeigt als die Gesamtwirtschaft, sind die Systemgrößen insgesamt eher klein. Nur jedes fünfte System hat mehr als 100 Partnerbetriebe. Etwa jedes achte hat zwischen 51 und 100 Partnerbetriebe. Der Großteil der Franchise-Systeme hat damit 11 bis 50 Partnerbetriebe (36 Prozent) oder weniger als zehn Partnerbetriebe (32 Prozent). Hier zeigt sich, die deutschen Franchise-Systeme ihre Wachstumsschwellen meist bei 100 bis 200 Partnern erreicht haben. Während bisher die Anstrengungen im Partnervertrieb in erster Linie dazuführten, die erreichte Systemgröße zu halten und ein moderates Wachstum zu realisieren, kann der zunehmende Fokus auf die Filialisierung der Partnerunternehmen für die Systeme einen deutlichen Wachstumsschub bringen. Für Franchise-Partner ergeben sich dabei insbesondere auch Vorteile durch einen schnelleren Markenaufbau und der damit verbundenen Markenbekanntheit.
Neben den Partnerbetrieben sind Franchise-Systeme auch mit eigenen Filialen am Markt aktiv. Die rund 950 Franchise-Systeme haben 2010 über 32.000 Filialen in Eigenregie betrieben (+ 5,2 Prozent). Die meisten Systeme besitzen hier wenige Standorte, die als sogenannte Pilotbetriebe dienen. Einzelne Franchise-Geber führen neue Betriebe zunächst als eigene Filiale am Markt ein und geben sie dann an einen Franchise-Partner ab. Weitaus häufiger kommt es vor, dass Betriebe von ausscheidenden Partnern zunächst in ein eigenes Filialnetz übernommen werden, um so den Standort zu sichern.
Investition in die Selbstständigkeit
Ein Franchise-Partner investiert durchschnittlich rund 80.000 Euro in den ersten Betrieb. Mehr als 200.000 Euro beträgt die Investition nur bei rund 6,7 Prozent der Systeme. 13,4 Prozent der Franchise-Partner investieren zwischen 100.000 und 200.000 Euro und 23,1 Prozent zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Die Mehrheit der Franchise-Konzepte verlangt eine Erstinvestition von weniger als 50.000 Euro. Dies deutet darauf hin, dass die Lebenshaltungskosten für den Franchise-Partner hier nicht berücksichtigt sind.
Gleichwohl sind Betriebe von Franchise-Partnern damit kapitalmäßig deutlich besser aufgestellt, als die meisten Existenzgründer. Nach KfW-Gründungsmonitor 2011 setzt nur jeder fünfte Gründer externe Finanzmittel ein und diese liegen in 80 Prozent der Fälle nicht über der Mirkofinanzierungsgrenze von 25.000 Euro. Jeder dritte Gründer klage zudem über Schwierigkeiten bei der Gründungsfinanzierung.
Systemleistungen für Franchise-Partner
Die Übersicht der Top 25-Systemleistungen zeigt: Lokale oder regionale Marketingaktivitäten liegen heute noch stark in der Hand des Franchise-Partners. Der Franchise-Geber konzentriert sich eher auf die Aus- und Fortbildung wie auch auf die kontinuierliche Betreuung und Beratung der Franchise-Partner vor Ort. Insgesamt macht der Vergleich zwischen 2010 und 2005 aber auch deutlich, dass sich die Prioritäten in Sachen Unterstützungsleistungen leicht verschieben. So konzentrieren sich Franchise-Systeme in Deutschland zunehmen auf markenbildende Leistungen, die den Franchise-Partner im Auf- und Ausbau seines regionalen Unternehmens unmittelbar stärken.